Viele Menschen machen sich selbständig, weil sie sich mehr Freiheit wünschen. Mehr Flexibilität, mehr Selbstbestimmung und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann, wo und wie sie arbeiten.

Und dann passiert etwas ziemlich Absurdes: Plötzlich ist der Laptop überall dabei.

Im Urlaub noch schnell die E-Mails checken. Am Wochenende kurz etwas für einen Kunden erledigen. Abends auf dem Sofa noch eine Aufgabe abschliessen, damit sie am nächsten Morgen vom Tisch ist. Eigentlich wäre Feierabend – aber diese eine Sache dauert ja wirklich nur zehn Minuten.

Grenzen setzen in der Selbstständigkeit klingt eigentlich einfach. Schliesslich entscheiden wir selbst, wann wir arbeiten. In der Realität ist genau das oft schwieriger als gedacht. Gerade wenn man ein eigenes Business aufbaut oder gerne arbeitet, gehören intensive Phasen dazu. Schwierig wird es, wenn aus diesen Phasen ein Dauerzustand wird und die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verschwindet.

Denn in der Selbständigkeit gibt es eigentlich immer etwas zu tun. Die To-do-Liste ist nie komplett leer, das nächste Projekt wartet bereits und irgendwo gibt es garantiert noch etwas, das man verbessern, vorbereiten oder „nur schnell“ erledigen könnte.

Wenn wir also darauf warten, dass irgendwann alles erledigt ist und dann endlich Ruhe einkehrt, können wir ziemlich lange warten.

Drei Wochen Urlaub – und zum ersten Mal arbeitsfrei

Diesen Sommer war ich drei Wochen im Urlaub. Mein Laptop war dabei. Gearbeitet habe ich trotzdem nicht.

Das klingt vielleicht nicht besonders spektakulär. Für mich war es das aber durchaus. Denn es war das erste Mal in fünf Jahren Selbständigkeit, dass ich drei Wochen am Stück wirklich Urlaub gemacht habe. Ohne zwischendurch zu arbeiten, Content zu produzieren oder „nur schnell“ irgendetwas für mein Business zu erledigen. Und auch ohne die freie Zeit dafür zu nutzen, für mein Studium zu lernen. Drei Wochen, in denen ich tatsächlich einfach Urlaub gemacht habe.

In den Jahren davor war der Laptop eigentlich immer dabei – und wurde auch benutzt. Hier noch schnell etwas erledigen, dort eine E-Mail beantworten oder die vermeintlich freie Zeit nutzen, um etwas abzuarbeiten. Es gab eigentlich immer einen Grund, ihn doch aufzuklappen.

Dieses Jahr war das anders. Nicht, weil plötzlich keine Arbeit mehr da gewesen wäre. Und auch nicht, weil mein Business drei Wochen einfach aufgehört hätte zu existieren. Ich hatte für mich entschieden, dass diese drei Wochen Urlaub sind.

Vielleicht war genau das für mich die wichtigste Erkenntnis: Es wird nicht automatisch irgendwann der perfekte Moment kommen, an dem nichts mehr zu tun ist und man guten Gewissens abschalten kann. Diese Grenze muss man irgendwann selbst ziehen.

Wenn dieses Projekt vorbei ist, wird es ruhiger

Diesen Satz kennen wahrscheinlich viele Selbständige. Wenn dieser Auftrag abgeschlossen ist. Wenn der Launch durch ist. Wenn die Website endlich steht. Wenn dieser volle Monat vorbei ist. Dann wird es ruhiger.

Nur kommt danach meistens das nächste Projekt, die nächste Anfrage oder eine neue Idee. Und plötzlich sind wieder drei Wochen vergangen, in denen der Feierabend später angefangen hat als geplant und das Wochenende doch nicht ganz arbeitsfrei war.

Das Tückische daran: Niemand zwingt uns unbedingt dazu. Natürlich gibt es Deadlines, Kundenanfragen und Phasen, in denen mehr Arbeit anfällt. Aber oft sind wir selbst diejenigen, die aus einer Aufgabe, die bis morgen warten könnte, etwas machen, das heute noch erledigt werden muss.

Gerade im eigenen Business ist Arbeit theoretisch nie fertig. Es gibt immer noch eine E-Mail, die beantwortet werden könnte. Einen Prozess, den man optimieren könnte. Einen Social-Media-Post, den man vorbereiten könnte. Oder diese eine Kleinigkeit, die „wirklich nur noch schnell“ gemacht werden muss.

Vielleicht liegt das Problem deshalb gar nicht darin, dass zu viel Arbeit da ist. Vielleicht fehlt vielmehr eine klare Grenze zwischen „Ich könnte noch etwas tun“ und „Für heute ist genug.“

Und genau diese Grenze kann uns niemand abnehmen.

Warum fällt es uns eigentlich so schwer, Grenzen zu setzen?

Vielleicht lohnt es sich an dieser Stelle, nicht sofort nach einer Lösung zu suchen, sondern erst einmal ehrlich hinzuschauen.

Warum öffne ich am Abend doch noch einmal die Mails, obwohl nichts dringend ist? Warum nehme ich den Laptop mit in die Ferien, nur für den Fall, dass etwas passiert? Warum fällt es mir leichter, eine Deadline für einen Kunden einzuhalten als meinen eigenen Feierabend?

Oft steckt dahinter mehr als eine volle To-do-Liste. Das Gefühl, erreichbar sein zu müssen. Der Anspruch, möglichst schnell zu reagieren. Die Überzeugung, dass bestimmte Dinge nur funktionieren, wenn wir sie selbst erledigen. Oder schlicht die Gewohnheit, für alles verantwortlich zu sein.

Ein paar Fragen können helfen, die eigenen Muster etwas genauer anzuschauen:

    • Muss das wirklich heute erledigt werden – oder möchte ich es einfach vom Tisch haben?
    • Bin ich tatsächlich unverzichtbar oder habe ich mein Business so organisiert, dass zu viel an mir hängt?
    • Ist meine ständige Erreichbarkeit wirklich guter Service oder inzwischen einfach Gewohnheit?
    • Was würde tatsächlich passieren, wenn ich zwei oder drei Tage nicht erreichbar wäre?
    • Welche Aufgaben halte ich noch fest, obwohl sie längst jemand anderes übernehmen könnte?

Die Antworten darauf sind wahrscheinlich nicht immer angenehm. Aber genau dort wird es interessant. Denn bevor wir bessere Grenzen setzen können, müssen wir erst einmal erkennen, an welchen Stellen wir sie selbst immer wieder überschreiten.

Grenzen brauchen mehr als gute Vorsätze

„Im nächsten Urlaub nehme ich den Laptop nicht mit.“ Das ist schnell beschlossen. Schwieriger wird es, wenn kurz vorher noch offene Aufgaben auf dem Tisch liegen, niemand weiss, wo bestimmte Informationen zu finden sind und Kunden gewohnt sind, innerhalb weniger Stunden eine Antwort zu bekommen.

Dann wird aus dem guten Vorsatz schnell wieder: Ich nehme ihn sicherheitshalber doch mit.

Deshalb haben Grenzen auch viel mit den Strukturen im eigenen Business zu tun. Wenn alles bei einer Person zusammenläuft, jede Entscheidung über den eigenen Schreibtisch gehen muss und wichtige Informationen nur im eigenen Kopf gespeichert sind, ist Abschalten tatsächlich schwierig.

Es geht dabei nicht darum, ein Business aufzubauen, das wochenlang komplett ohne dich funktioniert. Aber es sollte auch nicht ins Wanken geraten, nur weil du einmal ein paar Tage nicht erreichbar bist.

Klare Erreichbarkeiten und realistische Reaktionszeiten können dabei genauso helfen wie dokumentierte Abläufe, Automatisierungen oder eine Vertretung für bestimmte Aufgaben. Und manchmal gehört auch dazu, Verantwortung abzugeben und nicht mehr jede Kleinigkeit selbst kontrollieren zu wollen.

Denn Grenzen setzen bedeutet nicht nur, den Laptop zuzuklappen. Es bedeutet auch, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass er zugeklappt bleiben kann.

Freiheit muss man sich auch erlauben

Selbständigkeit kann Freiheit bedeuten. Aber diese Freiheit entsteht nicht automatisch, nur weil niemand mehr unsere Arbeitszeiten vorgibt. Wenn niemand von aussen die Grenze zieht, müssen wir lernen, sie selbst zu setzen.

Und dafür müssen es nicht gleich drei Wochen Ferien ohne Laptop und Businesshandy sein.

Vielleicht startest du mit einem verlängerten Wochenende, an dem der Laptop zu Hause bleibt. Mit einer Woche Ferien, in der du nicht jeden Morgen deine Mails kontrollierst. Oder ganz einfach mit einem Feierabend, der tatsächlich Feierabend ist.

Gerade diese kleinen Auszeiten sind ein ziemlich guter Test für das eigene Business. Denn dabei merkst du schnell, wo es noch hakt: Welche Aufgaben landen trotzdem bei dir? Wo fehlen klare Abläufe? Welche Informationen hat niemand ausser dir? Und an welcher Stelle greifst du vielleicht selbst wieder zum Handy, obwohl es eigentlich gar nicht notwendig wäre?

Du musst nicht von heute auf morgen komplett loslassen können. Aber du kannst anfangen, deine eigenen Grenzen ernst zu nehmen und gleichzeitig die Strukturen zu schaffen, die dir genau das ermöglichen.

Denn vielleicht ist die entscheidende Frage vor der nächsten Auszeit gar nicht: Wie bekomme ich vorher noch alles erledigt?

Vielleicht lautet sie vielmehr: Was muss ich verändern, damit mein Business auch einmal ein paar Tage ohne mich auskommt?

Virtuelle Assistentin Schweiz
Über die Autorin

Ich bin Jacqueline, virtuelle Assistentin auf selbständiger Basis, Familienmanagerin und bis vor kurzem Studentin für einen Bachelor of international Management im Fernstudium.

Während meiner Zeit als Geschäftsleitungsassistentin habe ich gemerkt, dass ich gerne plane, organisiere und strukturiere und das Talent habe, anderen Menschen das Leben “administrativ” zu erleichtern. Meine Mission als VA ist es, meinen Kundinnen durch meine Unterstützung mehr Freiheit, Leichtigkeit und Zeit zu schenken – für eine bessere Work-Life-Balance! Ich bin strukturiert und organisiert und habe immer ein Lächeln im Gesicht. In neue Software und Systeme kann ich mich sehr schnell einarbeiten und denke nicht nur über Prozesse nach, sondern entwickle sie auch gerne (mit dir) weiter. Wenn du mehr über meinen Background sowie meine WORK – LIFE – BALANCE wissen möchtest, schau doch gern mal auf der Seite Das bin ich!vorbei