Zeit für deine Beförderung: Vom Selbständigen zur UnternehmerIn

Es ist 18.30 Uhr und eigentlich wolltest du heute früher Schluss machen. Du möchtest nur noch schnell eine Rechnung verschicken und einer Kundin antworten. Während du die E-Mail schreibst, fällt dir ein, dass auf der Website noch etwas angepasst werden müsste und der Newsletter für nächste Woche auch noch nicht fertig ist. Die Buchhaltung wartet ebenfalls und auf LinkedIn wolltest du heute eigentlich auch noch etwas posten. Aus „nur noch schnell“ wird eine weitere Stunde am Schreibtisch – und vermutlich kennst du solche Tage ziemlich gut.

Dabei läuft dein Business eigentlich richtig gut. Du hast Kund:innen, dein Umsatz ist gewachsen, vielleicht sind neue Angebote und Produkte dazugekommen und du hast dir über die vergangenen Jahre etwas aufgebaut, auf das du stolz sein kannst. Eigentlich ist genau das passiert, worauf du lange hingearbeitet hast: Dein Business wächst. Nur fühlt sich dieses Wachstum nicht unbedingt nach mehr Freiheit an. Im Gegenteil. Mit jedem neuen Auftrag, jedem zusätzlichen Angebot und jedem weiteren Kanal scheint vor allem deine To-do-Liste zu wachsen.

In einem Unternehmen würde man an diesem Punkt irgendwann reagieren. Wenn der Umsatz steigt, mehr Kund:innen betreut werden und immer neue Aufgaben dazukommen, werden Verantwortlichkeiten neu verteilt, Prozesse angepasst und neue Rollen geschaffen. Als Selbständige machen wir allerdings erstaunlich oft etwas anderes: Das Business wächst, aber unsere eigene Rolle darin bleibt unverändert. Wir versuchen, einfach noch ein bisschen mehr selbst zu schaffen, optimieren unseren Kalender oder suchen nach dem nächsten Produktivitätshack.

Irgendwann liegt das eigentliche Problem deshalb gar nicht mehr darin, dass zu viel zu tun ist. Das Problem ist, dass wir versuchen, ein gewachsenes Business noch immer in derselben Rolle zu führen wie ganz am Anfang. Das Business hat sich weiterentwickelt – nur unsere eigene Rolle darin häufig nicht.

Wenn mehr Arbeit zur Standardlösung wird

Gerade am Anfang der Selbständigkeit ist es völlig normal, viele verschiedene Rollen gleichzeitig zu übernehmen. Du bist für deine Kund:innen da, schreibst Angebote und Rechnungen, kümmerst dich um Marketing, beantwortest E-Mails, pflegst deine Website und beschäftigst dich nebenbei mit Buchhaltung, Technik und all den organisatorischen Dingen, die eben dazugehören. Solange die Abläufe überschaubar sind, funktioniert das häufig erstaunlich gut.

Schwierig wird es, wenn dieses Arbeitsmodell bestehen bleibt, obwohl das Business längst an einem anderen Punkt angekommen ist. Denn wir haben uns daran gewöhnt, für alles zuständig zu sein. Kommt eine neue Aufgabe dazu, überlegen wir häufig nicht zuerst, ob und wie wir sie sinnvoll organisieren könnten, sondern wo wir sie noch in unserem Kalender unterbringen. Wir werden schneller und effizienter darin, möglichst viel in möglichst wenig Zeit zu erledigen. Was wir dabei viel zu selten hinterfragen, ist, ob wir all diese Dinge überhaupt noch selbst machen sollten.

Das kann lange funktionieren. Wir nutzen freie Zeit, um Dinge nachzuholen, arbeiten in intensiven Phasen länger und finden irgendwie noch eine Lücke für die nächste Aufgabe. Wenn daraus allerdings der Normalzustand wird, gleichen wir ein strukturelles Problem dauerhaft mit unserer eigenen Zeit und Energie aus.

Und genau das setzt dem Business irgendwann eine natürliche Grenze. Denn deine Arbeitszeit lässt sich nicht beliebig erweitern. Wenn Wachstum dauerhaft davon abhängig ist, dass du persönlich noch mehr erledigst, wirst irgendwann du selbst zum begrenzenden Faktor.

Dein Umsatz hat dann eine Decke. Und sie liegt genau dort, wo deine Stunden enden.

Wenn alles an dir hängt, hängt auch alles von dir ab

Zum Flaschenhals im eigenen Business wirst du nicht erst dann, wenn dein Kalender komplett voll ist. Es zeigt sich viel früher daran, dass nahezu alles deine Aufmerksamkeit braucht. Kundenanfragen warten auf deine Antwort, Entscheidungen auf dein Okay und neue Ideen darauf, dass auf deiner ohnehin gut gefüllten To-do-Liste irgendwann Platz für sie entsteht.

Viele dieser Dinge dauern für sich genommen vielleicht nur wenige Minuten. In der Summe sorgen sie jedoch dafür, dass du permanent zwischen unterschiedlichen Themen wechselst und einen großen Teil deiner Arbeitszeit damit verbringst, dein Business am Laufen zu halten. Für die Aufgaben, die dein Unternehmen tatsächlich weiterbringen könnten, bleibt häufig genau die Zeit übrig, die eigentlich gar nicht mehr da ist.

Vielleicht möchtest du schon länger eine neue Dienstleistung entwickeln, deine Positionierung schärfen, einen funktionierenden Verkaufsprozess aufbauen oder dir grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie dein Business in zwei Jahren aussehen soll. Genau diese Themen haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie sind selten dringend. Kein Kunde wartet darauf, keine Rechnung wird deswegen angemahnt und normalerweise erinnert dich auch niemand daran. Also gewinnen im Alltag immer wieder die Aufgaben, die gerade am lautesten sind.

Damit entsteht ein Kreislauf: Weil du so stark im Tagesgeschäft eingebunden bist, fehlt dir die Zeit, Strukturen aufzubauen, die dich langfristig entlasten würden. Und weil diese Strukturen fehlen, bleibst du im Tagesgeschäft eingebunden.

An diesem Punkt bringt es wenig, die eigene To-do-Liste noch besser zu organisieren. Es geht nicht darum, wie du noch effizienter möglichst viele Aufgaben erledigen kannst. Es geht um eine andere Frage: Welche Rolle willst du in deinem eigenen Business eigentlich einnehmen?

Vielleicht ist es Zeit, dich selbst zu befördern

Stell dir einmal vor, du würdest nicht für dein eigenes Business arbeiten, sondern wärst seit Jahren in einem Unternehmen angestellt. Du bist zuverlässig, übernimmst Verantwortung, kennst sämtliche Abläufe, löst Probleme und springst ein, wenn irgendwo etwas liegen bleibt. Gleichzeitig hast du bewiesen, dass du neue Ideen entwickeln, Entscheidungen treffen und Ergebnisse liefern kannst. Würde eine gute Führungskraft dich unter diesen Umständen dauerhaft einfach mit immer mehr operativen Aufgaben versorgen?

Vermutlich nicht. Irgendwann würde sich deine Rolle verändern. Du würdest Aufgaben abgeben, andere Verantwortungsbereiche übernehmen und mehr Zeit für Themen bekommen, bei denen deine Erfahrung und dein Wissen tatsächlich einen Unterschied machen. Nicht, weil du die bisherigen Aufgaben plötzlich nicht mehr erledigen könntest, sondern weil es schlicht keinen Sinn ergibt, deine Zeit dauerhaft damit zu füllen.

In der Selbständigkeit fehlt allerdings genau diese Person, die irgendwann zu dir sagt: Du bist aus dieser Rolle herausgewachsen. Niemand nimmt dir automatisch Aufgaben vom Tisch, niemand definiert deinen Verantwortungsbereich neu und niemand sorgt dafür, dass du genügend Zeit für die Weiterentwicklung deines Business hast. Diese Entscheidung musst du selbst treffen. Du bist nicht nur die Mitarbeiterin in deinem Business. Du bist gleichzeitig diejenige, die entscheiden muss, wie diese Mitarbeiterin künftig eingesetzt wird.

Diese Beförderung bedeutet übrigens nicht automatisch, dass du morgen eine Mitarbeiterin einstellen oder ein ganzes Team aufbauen musst. Auch als Solo-Selbständige kannst du deine Rolle verändern. Der entscheidende Unterschied liegt zunächst darin, wie du auf deine Arbeit schaust. Statt dich jeden Morgen nur zu fragen, was heute alles erledigt werden muss, beginnst du zu entscheiden, welche Aufgaben überhaupt noch auf deinen Tisch gehören.

Eine Mitarbeiterin arbeitet ihre To-do-Liste ab. Eine Unternehmerin entscheidet, was auf dieser Liste stehen darf. Sie prüft, welche Aufgaben wirklich ihre Aufmerksamkeit benötigen, welche Abläufe einfacher werden können und wo Zeit verloren geht, weil Dinge immer wieder auf dieselbe umständliche Art erledigt werden.

Genau darin liegt die eigentliche Beförderung: Du hörst auf, dich ausschließlich als Arbeitskraft deines Business zu betrachten, und beginnst, es als Unternehmen zu führen.

Was jetzt konkret anders werden muss

Die eigene Rolle zu verändern bedeutet nicht, dass all die Aufgaben, die bisher auf deinem Tisch lagen, plötzlich verschwinden. Es bedeutet, dass du aufhörst, jede davon automatisch selbst zu übernehmen. Dabei helfen vier Möglichkeiten: streichen, standardisieren, automatisieren oder delegieren.

Manche Aufgaben sind irgendwann dazugekommen und heute vielleicht gar nicht mehr notwendig. Wiederkehrende Abläufe lassen sich mit Vorlagen, Checklisten und klaren Prozessen vereinfachen. Andere Arbeitsschritte können Tools übernehmen und wieder andere Aufgaben kannst du an eine virtuelle Assistenz, Freelancer oder später vielleicht an eigene Mitarbeitende abgeben. Nicht alles davon muss gleichzeitig passieren.

Wenn du gerade das Gefühl hast, dass zu viel auf deinem Tisch liegt, mach deshalb einmal ein kleines Meeting mit dir selbst. Nicht zwischen zwei Kundenterminen nebenbei, sondern ganz bewusst mit etwas Abstand zum Tagesgeschäft. Schau dir dafür am besten deinen Kalender und deine Aufgaben der vergangenen zwei Wochen an und beantworte dir vier Fragen:

    1. Mit welchen Aufgaben verbringe ich aktuell tatsächlich meine Arbeitszeit?
    2. Welche davon kosten mich besonders viel Zeit oder Energie?
    3. Welche Aufgaben tragen zu Umsatz, Gewinn oder zur Weiterentwicklung meines Business bei?
    4. Was davon könnte ich streichen, standardisieren, automatisieren oder delegieren?

Vielleicht stellst du dabei fest, dass du einen erstaunlich großen Teil deiner Woche mit Aufgaben verbringst, die zwar erledigt werden müssen, für die es deine persönliche Zeit und Expertise aber gar nicht braucht. Genau dort kannst du anfangen.

Strategisch zu arbeiten bedeutet nicht, von heute auf morgen das gesamte Tagesgeschäft abzugeben. Es bedeutet, dein Business Schritt für Schritt so aufzustellen, dass du nicht mehr für alles persönlich zuständig sein musst.

Dein Business sollte dich tragen – nicht umgekehrt

Vor einiger Zeit lag ich ein paar Tage krank im Bett. Natürlich blieben in dieser Zeit Dinge liegen und nicht alles lief genauso weiter wie sonst. Aber mein Business stand auch nicht plötzlich still, nur weil ich nicht am Schreibtisch saß.

Für mich ist genau das ein wichtiger Teil unternehmerischer Freiheit: ein Business aufzubauen, das nicht dauerhaft davon abhängig ist, dass ich jede Aufgabe selbst erledige, jede Entscheidung sofort treffe und jederzeit verfügbar bin. Das entsteht nicht von heute auf morgen und auch nicht durch die eine perfekte Automation oder dadurch, möglichst schnell alles abzugeben. Es entsteht Schritt für Schritt durch bessere Prozesse, klare Entscheidungen und die Bereitschaft, die eigene Rolle immer wieder zu hinterfragen.

Vielleicht brauchst du also nicht noch mehr Disziplin, einen besseren Zeitplan oder den nächsten Produktivitätshack. Vielleicht ist es einfach Zeit, dich selbst zu befördern.

Denn Fleiß bringt Umsatz. Führung bringt Freiheit.

Virtuelle Assistentin Schweiz
Über die Autorin

Ich bin Jacqueline, virtuelle Assistentin auf selbständiger Basis, Familienmanagerin und bis vor kurzem Studentin für einen Bachelor of international Management im Fernstudium.

Während meiner Zeit als Geschäftsleitungsassistentin habe ich gemerkt, dass ich gerne plane, organisiere und strukturiere und das Talent habe, anderen Menschen das Leben “administrativ” zu erleichtern. Meine Mission als VA ist es, meinen Kundinnen durch meine Unterstützung mehr Freiheit, Leichtigkeit und Zeit zu schenken – für eine bessere Work-Life-Balance! Ich bin strukturiert und organisiert und habe immer ein Lächeln im Gesicht. In neue Software und Systeme kann ich mich sehr schnell einarbeiten und denke nicht nur über Prozesse nach, sondern entwickle sie auch gerne (mit dir) weiter. Wenn du mehr über meinen Background sowie meine WORK – LIFE – BALANCE wissen möchtest, schau doch gern mal auf der Seite Das bin ich!vorbei