Heute bin ich eher zufällig über den neuen Widerrufsbutton gestolpert. Falls du jetzt gerade nicht weisst, wovon ich spreche: Keine Sorge, so ging es mir auch. Ab Juni 2026 müssen viele Online-Unternehmer, die über ihre Website an Privatpersonen verkaufen, eine zusätzliche Möglichkeit anbieten, damit Kunden ihren Vertrag online widerrufen können.
Spannend fand ich dabei aber nicht die neue Regelung an sich. Die rechtlichen Details überlasse ich gerne den Anwälten. Was mir vielmehr durch den Kopf ging, war die Tatsache, dass ich davon nur durch Zufall erfahren habe.
Denn der Widerrufsbutton steht für etwas, das ich bei mir selbst und bei vielen meiner Kunden immer wieder beobachte. Als Selbständige sollen wir uns um Kunden kümmern, neue Angebote entwickeln, sichtbar sein, Marketing machen, Rechnungen schreiben, Projekte betreuen und unser Business weiterentwickeln. Gleichzeitig gibt es laufend neue Anforderungen, technische Änderungen, Plattform-Updates oder gesetzliche Anpassungen, die man eigentlich auch noch im Blick behalten sollte.
Mal ist es die E-Rechnung, dann das Thema Barrierefreiheit, dann ändern sich Funktionen in einem wichtigen Tool und nun kommt ein Widerrufsbutton dazu. Jede einzelne Änderung wirkt überschaubar. Zusammengenommen entsteht jedoch eine erstaunlich lange Liste an Dingen, die irgendwo zwischen Kundenprojekten, Familienalltag und den eigenen Businesszielen erledigt werden wollen.
Die meisten Unternehmer, die ich kenne, arbeiten hart und übernehmen Verantwortung für ihr Business. Aber viele dieser Aufgaben bringen keinen direkten Umsatz, sie sind selten dringend und oft auch nicht besonders spannend. Deshalb rutschen sie automatisch weiter nach unten auf der Prioritätenliste. Bis man irgendwann zufällig über ein Thema stolpert und sich fragt, ob man das eigentlich schon längst hätte wissen müssen.
Die unsichtbare To-do-Liste im Online-Business
Wenn wir an unser Business denken, denken wir meistens an die sichtbaren Dinge. Kundengespräche, Projekte, Workshops, Coachings, Content, Social Media oder neue Angebote. Das sind die Aufgaben, die Umsatz bringen, Spass machen oder zumindest unmittelbar wichtig erscheinen.
Daneben gibt es aber noch eine zweite Liste. Eine Liste, die selten in der Planung auftaucht und trotzdem ständig länger wird:
- Irgendwann sollte die Datenschutzerklärung überprüft werden.
- Die Website könnte ein Update vertragen.
- Vielleicht gibt es neue Anforderungen an die Barrierefreiheit.
- Ein Tool, das man täglich nutzt, stellt Funktionen um.
- Die Buchhaltung benötigt Anpassungen.
- Eine Plattform ändert ihre Bedingungen.
- Und plötzlich liest man von einem Widerrufsbutton, von dem man bisher noch nie gehört hat.
Keine dieser Aufgaben wirkt für sich genommen besonders gross. Genau deshalb werden sie oft verschoben. Nicht auf morgen, sondern auf irgendwann.
Ich kenne das selbst nur zu gut. Auch bei mir gibt es Dinge, die länger auf meiner Liste stehen, als ich zugeben möchte. Nicht weil ich keine Lust darauf habe, sondern weil zwischen Kundenprojekten, Familie und dem eigenen Businessalltag immer wieder etwas wichtiger erscheint.
Das Gemeine daran: Solche Aufgaben verschwinden nicht. Sie bleiben im Hinterkopf. Man denkt beim Spaziergang daran, sieht eine Erinnerung im Kalender oder entdeckt einen Artikel dazu auf LinkedIn. Jedes Mal kostet es ein kleines bisschen Energie, weil man weiss, dass man sich eigentlich darum kümmern sollte.
Und genau diese vielen offenen Enden sind oft anstrengender als ein grosses Projekt. Ein grosses Projekt plant man ein. Man reserviert Zeit dafür und arbeitet es Schritt für Schritt ab. Die kleinen organisatorischen, technischen oder rechtlichen Themen dagegen begleiten einen oft monatelang im Hintergrund.
Irgendwann entsteht daraus das Gefühl, ständig etwas vergessen zu haben. Nicht weil tatsächlich etwas vergessen wurde, sondern weil die Liste der «Sollte ich auch noch machen»-Aufgaben immer länger wird.
Der Widerrufsbutton hat mich deshalb weniger an ein neues Gesetz erinnert als an diese unsichtbare Liste, die wahrscheinlich jede selbständige Unternehmerin und jeder selbständige Unternehmer kennt. Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb solche Themen so häufig aufgeschoben werden. Nicht weil sie unwichtig sind, sondern weil sie selten laut genug sind, um sich gegen das Tagesgeschäft durchzusetzen.
Warum solche Aufgaben so gerne aufgeschoben werden
Viele dieser Themen haben noch etwas gemeinsam: Sie fühlen sich selten dringend an.
Wenn ein Kunde auf eine Antwort wartet, reagieren wir. Wenn ein Projekt fertig werden muss, legen wir los. Wenn eine Rechnung offen ist oder ein Workshop vorbereitet werden muss, wissen wir genau, was zu tun ist.
Bei Themen wie dem Widerrufsbutton, der Barrierefreiheit oder einer Anpassung der Rechtstexte sieht das oft anders aus. Solange alles funktioniert, scheint kein unmittelbarer Handlungsbedarf zu bestehen. Die Website läuft, Kunden können kaufen und Beschwerden gibt es keine, also wandert das Thema auf die Liste für später.
Das Problem dabei ist, dass «später» meistens kein fixer Termin ist. Es ist eher eine Hoffnung, irgendwann einmal genügend Zeit dafür zu haben.
Genau deshalb sammeln sich diese Aufgaben an. Jede für sich genommen ist vielleicht nur eine Stunde Arbeit. Manchmal braucht es auch nur eine kurze Recherche oder ein Gespräch mit einer Fachperson. Doch weil wir sie immer wieder verschieben, werden aus zehn kleinen Aufgaben plötzlich zehn offene Baustellen.
Und diese offenen Baustellen kosten Energie.
Nicht unbedingt, weil wir aktiv daran arbeiten. Sondern weil sie ständig im Hinterkopf präsent sind. Man sieht einen Artikel dazu, liest einen LinkedIn-Beitrag oder bekommt eine E-Mail mit einer Änderung. Sofort ist das Thema wieder da.
“Ach ja, darum müsste ich mich auch noch kümmern.”
Je mehr solche Gedanken zusammenkommen, desto schwieriger wird es, den Kopf wirklich frei zu bekommen. Oft entsteht sogar das Gefühl, ständig hinterherzuhinken, obwohl man den ganzen Tag produktiv war.
Ich glaube, genau deshalb empfinden viele Selbständige ihr Business manchmal als anstrengender, als es eigentlich sein müsste. Nicht wegen der Kunden oder der eigentlichen Arbeit. Sondern wegen all der kleinen Themen, die irgendwo am Rand mitlaufen und Aufmerksamkeit verlangen.
Der Widerrufsbutton ist dafür nur ein aktuelles Beispiel. Vor ein paar Monaten war es vielleicht die E-Rechnung. Davor ein Tool-Update oder eine Änderung bei einer Plattform. Und in ein paar Monaten wird vermutlich schon das nächste Thema durch die Online-Business-Welt geistern.
Die Liste hört nie auf. Die Frage ist eher, wie wir damit umgehen.
Das habe ich für mich in den letzten Jahren lernen müssen. Nicht, indem ich versuche, alles selbst im Blick zu behalten, sondern indem ich mir bewusst Strukturen schaffe und akzeptiere, dass ich nicht jede Änderung sofort kennen muss. Denn am Ende des Tages bin ich Unternehmerin und nicht Juristin, Datenschutzexpertin, Webentwicklerin und Buchhalterin gleichzeitig. Und genau das gilt vermutlich für die meisten von uns.
Was der Widerrufsbutton eigentlich soll
Falls du bis heute – so wie ich – noch nichts vom Widerrufsbutton gehört hast, fragst du dich vielleicht, worum es dabei überhaupt geht.
Die Idee dahinter ist eigentlich recht einfach: Kunden sollen einen Vertrag genauso einfach widerrufen können, wie sie ihn abgeschlossen haben. Deshalb müssen viele Unternehmen, die online an Privatpersonen verkaufen, ab dem 19. Juni 2026 eine entsprechende Widerrufsfunktion auf ihrer Website anbieten.
Wichtig zu wissen: Der Widerrufsbutton ersetzt bestehende Widerrufsbelehrungen nicht. Er kommt zusätzlich dazu und bietet Kunden einen weiteren Weg, ihren Widerruf einzureichen.
Auch wenn du digitale Produkte, Onlinekurse, Coachings oder Dienstleistungen verkaufst, lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen. Denn viele Online-Businesses verkaufen über die eigene Website, Zahlungslinks oder Buchungssysteme und genau dort kann die neue Regelung relevant werden.
Was du jetzt prüfen solltest
Bevor du in Panik gerätst und deine Website komplett umbauen lässt: Zuerst lohnt sich ein kurzer Check deines Verkaufsprozesses.
- Verkaufst du über deine eigene Website an Privatpersonen?
- Nutzen Kund:innen einen Bestellbutton oder buchen direkt online?
- Verkaufst du digitale Produkte, Coachings oder Dienstleistungen?
- Arbeitest du ausschliesslich mit Geschäftskunden oder können auch Privatpersonen kaufen?
Je nach Setup kann die neue Regelung für dich relevant sein oder eben nicht. Das hängt stark davon ab, wie deine Verkäufe abgewickelt werden.
Übrigens ist genau das auch der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe. Nicht um Panik zu verbreiten oder weil jetzt alle sofort neue Tools kaufen müssen. Ganz im Gegenteil.
Viele Anforderungen lassen sich oft mit den Systemen umsetzen, die bereits im Einsatz sind. Bei einer Kundin haben wir das Thema heute direkt angeschaut. Statt ein weiteres Tool einzuführen, haben wir im Footer einen zusätzlichen Button eingebaut. Dieser führt zu einem Formular in ActiveCampaign, in dem die notwendigen Angaben erfasst werden. Anschliessend landet die Anfrage automatisch in einer separaten Liste und die Bestätigungsmail wird inklusive Datum direkt versendet.
Neues Tool? Keins. Zusätzliche monatliche Kosten? Ebenfalls keine.
Manchmal lohnt es sich, zuerst einen Blick auf die bestehende Toollandschaft zu werfen, bevor man nach einer neuen Lösung sucht. Viele Unternehmer:innen haben bereits mehr Möglichkeiten in ihren bestehenden Systemen, als ihnen bewusst ist.
Warum das Thema nicht auf die lange Bank gehört
Ich weiss, solche Themen landen schnell in der Kategorie “Darum kümmere ich mich später”.
Genau das macht sie aber gefährlich, denn ein fehlender Widerrufsbutton kann nicht nur dazu führen, dass sich die Widerrufsfrist für Kunden verlängert. Es besteht auch das Risiko von Abmahnungen.
Und Hand aufs Herz: Niemand von uns gründet ein Business, um sich irgendwann mit Abmahnungen, Fristen oder rechtlichen Stolpersteinen herumzuschlagen.
Deshalb ist der Widerrufsbutton für mich eines dieser Themen, die man nicht ignorieren sollte. Nicht aus Angst, sondern weil es oft deutlich entspannter ist, sich frühzeitig einen Überblick zu verschaffen, als kurz vor einer Frist hektisch nach Lösungen zu suchen.
Fazit
Der Widerrufsbutton ist am Ende nur ein weiteres Beispiel dafür, wie viele Themen wir als Selbständige neben unserem eigentlichen Business im Blick behalten müssen.
Mir ist das Thema durch Zufall begegnet und ich bin ziemlich sicher, dass ich nicht die Einzige bin. Deshalb sieh diesen Artikel einfach als kleine Erinnerung, einmal kurz auf deine Website, deine Verkaufsprozesse und deine Produkte zu schauen.
Vielleicht betrifft dich die neue Regelung gar nicht. Vielleicht musst du etwas anpassen. Beides ist besser, als erst davon zu erfahren, wenn es plötzlich dringend wird.
Denn auch wenn wir nicht jede Gesetzesänderung, jedes Tool-Update oder jede neue Anforderung kennen müssen: Wir sollten zumindest wissen, welche Themen auf uns zukommen.
Und falls der Begriff «Widerrufsbutton» für dich bis heute neu war, dann hat dieser Artikel seinen Zweck bereits erfüllt.
Ich bin Jacqueline, virtuelle Assistentin auf selbständiger Basis, Familienmanagerin und bis vor kurzem Studentin für einen Bachelor of international Management im Fernstudium.
Während meiner Zeit als Geschäftsleitungsassistentin habe ich gemerkt, dass ich gerne plane, organisiere und strukturiere und das Talent habe, anderen Menschen das Leben “administrativ” zu erleichtern. Meine Mission als VA ist es, meinen Kundinnen durch meine Unterstützung mehr Freiheit, Leichtigkeit und Zeit zu schenken – für eine bessere Work-Life-Balance! Ich bin strukturiert und organisiert und habe immer ein Lächeln im Gesicht. In neue Software und Systeme kann ich mich sehr schnell einarbeiten und denke nicht nur über Prozesse nach, sondern entwickle sie auch gerne (mit dir) weiter. Wenn du mehr über meinen Background sowie meine WORK – LIFE – BALANCE wissen möchtest, schau doch gern mal auf der Seite Das bin ich!vorbei






